Die Französische Bulldogge
(Problematik TSchG § 11b)

Verantwortungsvolle Züchter und vor allem kritische Liebhaber und Käufer haben in den vergangenen Jahren durch intensive Selektion dafür gesorgt, dass der "frei atmende - Bully" mittlerweile fast Standard ist. Jeder pflichtbewußte Züchter wird mit Bullys, die Atemprobleme haben, die unter Allergien und Hautproblemen (oft das Problem pigmentschwacher Hunde) leiden, nicht züchten und gleichfalls wird er auch keine Tiere mit Apfelköpfen, Froschaugen oder Rutenlosigkeit zur Zucht einsetzen (Zuchttauglichkeits-Prüfung).

Aber da gibt es noch die "unsichtbaren Defekte", die um so heimtückischer sind, denn wenn sie sichtbar werden, ist es für die betroffenen Hunde und Besitzer eine sehr schmerzhafte Angelegenheit.
Leider neigen unsere Französischen Bulldoggen aufgrund der Jahrzehnte langen Zucht und weltweiter Auswahl auf ein gleich gleiches Rasseschönheitsbild, z.B. gedrungener Körperbau mit kurzer Hals-/Rückenlinie, Rutenform und Karpfenrücken, kurze Beine zu Wirbelkörpermissbildungen (Rassedisposition). Es gibt kaum einen Bully ohne röntgologisch feststellbare Wirbelveränderungen, das heißt: fast jeder Bully hat sie. Doch führen diese Gott sei Dank nicht immer zu Krankheitsbildern. Dies liegt vor allem an der Lokalisation der Veränderung und zum anderen an einer zusätzlichen individuellen Neigung (familiäre Abhängigkeit). Die Veränderungen sind angeboren. Es handelt sich um einen polygenen Erbgang, d.h. mehrere Gene sind für die Ursache verantwortlich und können nur durch gezielte Auslese ausgemerzt werden. Merkmale konsequent "auszudünnen" - generationsübergreifend - das heißt für besonders belastete Familien keine Möglichkeit mehr zur uneingeschränkten Weitergabe zu schaffen.

Missbildungen der Wirbelkörper
Darunter versteht man Veränderungen in der Länge, Breite oder Form eines Wirbels. Ein Wirbel kann nur halb ausgebildet sein oder keilförmig aussehen (Keilwirbel), oder mit einem anderen zusammengewachsen sein (Doppelwirbel). Durch die Wirbelveränderungen ergibt sich oft eine Prädisposition zu Bandscheibenvorfällen und Arthrosen. Beim auftreten von Keilwirbeln kann der komplette Wirbel aus der Führung geraten, was zu einer plötzlichen Querschnittslähmung führt. Leider sind Wirbelkörpermissbildungen beim Welpen noch nicht erkennbar, wohl aber nach Abschluss des Wachstums (ab dem 9. Lebensmonat). Krankheitssymptome sind: Schmerzzustände, Lahmen oder Lähmung eines oder mehrerer Beine, abnormer Gang (Ataxie, Stechschritt), Kot- und Harnabsatzproblem.

Lokalisation:

Hals- und Lendenwirbel sind sehr beweglich. Wirbelveränderungen in diesem Bereich führen sehr früh zu Problemen bzw. Krankheitsbildern, daher dürfen diese Tiere nicht in die Zucht gelangen.

Brustwirbelsäule - vorderer Abschnitt: ist sehr stabil und somit wenig anfällig. Leider finden sich dort häufig Wirbelveränderungen, die aber so gut wie nie zu Problemen führen und deshalb meist unerkannt bleiben.

Hinterer Teil der Brustwirbelsäule - Übergang Lendenwirbelsäule: dieser Bereich ist am störanfälligsten, denn hier sind die Rippen nicht mehr mit dem Brustbein verbunden und die Dornfortsätze ändern ihre Richtung, was zu einer Schwächung der Muskulatur führt. In diesem Bereich haben wir also eine verminderte Stabilität, aber eine hohe Belastung der Wirbelsäule. Treten Wirbelveränderungen in diesem Abschnitt auf, sind Krankeitssymptome (unter anderem Deckunlust und Schwerstgeburten/Kaiserschnitt) vorprogrammiert. Da diese erfahrungsgemäß aber erst im mittleren Lebensalter (3-8 Jahren) erkannt werden, heben betroffene Zuchttiere bereits Nachkommen gezeugt. Dieses Leid wird bei sehr vielen Züchtern und Deckrüdenbesitzern verschwiegen, vertuscht oder als nicht zuchtrelevant ignoriert.

Deshalb mein dringender Aufruf:

Jeder Züchter unterliegt der wichtigen Verantwortung, die Gesundheit und den Erhalt seiner Rasse zu gewährleisten - sonst ist Er der Totengräber dieser Rasse !

In unserem Dachverband DHSU e.V. wurde dieser Handlungsbedarf erkannt und es wurde zur Pflicht, dass alle Französischen Bulldoggen, die zur Zucht zugelassen werden, ab dem Stichtag 1. April 2005 eine Wirbelsäulenröntgung plus Auswertung durch die Tierklinik Dr. Gutbrod und gleichfalls die Patellaluxationsuntersuchung vorweisen müssen. Die Tiere, die bereits in der Zucht stehen, sind nicht impliziert - der Verband appelliert jedoch an das Verantwortungsbewußtsein und an die Vernunft dieser Rassehundbesitzer, diese Gegebenheit nachzureichen - zum Wohle und Fortbestand der Rasse.

Ein weiter Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Dieser Beitrag wurde nach jahrelangen Recherchen, studieren von Fachliteratur, unzähligen Gesprächen mit Tierärzten, Bullybesitzern, Freunden, aus meinen züchterischen Erfahrungswerten und nicht zuletzt aus eigener leidvollen Erfahrung zusammengestellt.

gez. Gudrun Schäfer-Schlamp, Züchterin